Wie beginnen?

Techniken

Leider gibt es kein Patentrezept welches einen Klartraum garantiert. Jeder angehende Oneironaut reagiert anders und hat seine eigenen, bevorzugten Techniken welche oft auch kombiniert zur Anwendung kommen oder auch nach eigenem Gusto abgeändert werden. Zu Beginn wird man versuchen, soviele Techniken wie möglich über mehrere Tage oder Wochen zu testen um seine bevorzugte Methode zu finden.
Wichtig ist vorallem eines: Behalte Deine Motivation das Klarträumen erlernen zu wollen und verabschiede Dich von der Vorstellung, dass das Klarträumen etwas schwierig zu erlernendes sei. Setze Dir keine Fristen und lass Dich von anfänglichen Rückschlägen nicht entmutigen!

 

Folgend findest Du einen Überblick über die wichtigsten Techniken. Diese Auflistung ist nicht abschliessend, weitere Techniken findest du im Klartraum Wiki welches ich unter "Literatur & Links" verlinkt habe. Nützliche Tutorials zu den verschiedenen Techniken findest du auf youtube.

 

Es gibt zwei verschiedene Grundtechniken um einen Klartraum zu induzieren:

 

Klarheitsgewinnende Technik

(DILD = Dream induced Lucid Dream)

 

Klarheitsbewahrende Technik

(WILD = Wake induced Lucid Dream)

DILD (Dream Induced Lucid Dream)

Bei der klarheitsgewinnenden Methode DILD  erreicht man die Klarheit aus einem Trübtraum heraus. Man erkennt also, während eines Traumes, dass man träumt.

Bei der DILD Technik ist es von immenser Wichtigkeit ein  „kritisches Bewusstsein“ zu entwickeln um überhaupt im Traum zu realisieren, dass man träumt (siehe Kapitel "Voraussetzungen"). Oft gewinnt man die Klarheit anhand unlogischer Wendungen (man trifft z. Bsp. eine verstorbene Person). Hat man das  kritische Bewusstsein trainiert fällt einem eventuell auf, dass dies nur ein Traum sein kann. Ein angewendeter "Reality Check" bestätigt meist die Vermutung dass man träumt. In diesem Moment entwickelt sich aus dem Trübtraum ein Klartraum. Dieser Augenblick kann verblüffend intensiv sein, man hat das Gefühl, dass man auftaucht und die Sinne verschärfen sich schlagartig. Ein erfolgreicher DILD Klartraum entwickelt sich meist aus einem Trübtraum während der Traumintensiven REM Schlafphase. Einen erfolgreichen DILD Klartraum erreicht man zum Beispiel durch Autosuggestion während dem einschlafen: "Das nächste mal wenn ich träume, werde ich realisieren, dass ich träume." Wiederhole diesen Satz bestimmt aber nicht verkrampft bis du einschläfst. Nicht selten verwandeln sich Trübtraume auch ohne ersichtlichen Grund in einen DILD Klartraum. Meist überkommt einen dann ohne Indiz die Gewissheit, dass man träumt.

WILD (Wake Induced Lucid Dream)

Bei der klarheitsbewahrenden Technik WILD, gleitet man direkt aus dem Wachzustand in einen Klartraum. Klarheitsbewahrend heisst hier nichts anderes, als gar nicht erst in einen Trübtraum zu geraten, sondern einen Klartraum bei wachem Bewusstsein zu induzieren. Bei der WILD Technik wird der Körper ausgetrickst in dem man alle Voraussetzungen für den Einschlafprozess erfüllt ohne dabei einzuschlafen.  Diese Technik kann mit der sogenannten Schlafparalyse (Schlafstarre) einher gehen, welche bei vollem Bewusstsein erlebt und von manchen Klarträumern als unangenehm empfunden wird.

Die Schwierigkeit bei einem WILD Versuch ist der richtige Grat an Wachheit zu erhalten um nicht wegzudämmern. Andererseits darf man auch nicht zu wach sein denn man versucht ja eigentlich bewusst einzuschlafen. Das klingt anspruchsvoll.... und das ist es auch. Man sollte dabei eine bequeme Liegeposition einnehmen, aber vorzugsweise nicht die übliche Einschlafposition. Versuche Dich zu entspannen und Körper und Geist gleiten zu lassen. Für die WILD Technik gibt es diverse Subtechniken. Einige Oneironauten schwören darauf, bewusst auf ihren Atem zu achten, andere wiederum laufen gedanklich Treppen hinunter und zählen dabei die Schritte. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich auf hypnagoge Bilder einzulassen und sich langsam in einen Traum oder eine Traumszene hineinzudenken. Egal welche WILD Technik man verfolgt, man sollte sich so wenig bewegen wie nur möglich. Das Hirn sendet während des Einschlafprozesses Signale an den Körper um zu testen ob Geist und Körper bereit sind für den Schlaf. Diese Signale zeichnen sich in der Regel in Form von Juckreizen oder dem sogenannten "Roll Over" Effekt ab. Mit diesem Effekt testet der Körper ob Du bereit für den Schlaf bist und fordert Dich quasi auf, Dich ein letztes Mal zu drehen. Versuche auf jeden Fall all diesen Zwängen zu widerstehen. Somit gaukelst du deinem Körper vor, bereit für den Schlaf zu sein.

Die WILD Technik führt bei den meisten Anfängern nicht direkt zum Erfolg.  Erfahrenene Oneironauten sprechen aber von den intensivsten Klarträumen durch WILDs. Wer regelmässig meditiert, steigert seine Chancen auf erfolgereiche WILD Klarträume.

 

WBTB (Wake Back to Bed)

Dies ist keine Technik an sich sondern eine Ergänzung oder Hilfstechnik. Um einen erfolgreichen Klartraum zu erleben, nutzt Du am besten die frühen Morgenstunden während oder kurz nach einer REM Schlafphase (Nach ca. 6 Stunden Schlaf). WBTB heisst also, dass man sich zu diesem Zeitpunkt wecken lässt, einen Moment wach bleibt und sich anschliessend wieder ins Bett legt. Ziel ist es, einen bestimmten Grat an Wachheit zu erlangen damit man nicht direkt wieder einschläft und andereseits, nicht zu wach ist damit man gar nicht mehr schlafen kann. Je nach Verfassung und Person kann die Wachperiode von 5 Minuten bis zu einer Stunde varieren. Für den Wachzustand förderlich sind Licht, Bewegung, das Gesicht mit kaltem Wasser waschen, frische Luft oder sich mit dem Thema Klartraum zu befassen (z. Bsp. Buch oder Traumtagebuch lesen). Anschliessend legst Du Dich wieder ins Bett und wendest eine der verschiedenen Techniken an (WILD und MILD bieten sich sehr gut an). Eine weitere Schweirigkeit bei WBTB liegt darin, sich im richtigen Moment Wecken zu lassen. Ein Schlafphasenwecker kann dabei sehr hilfreich sein.

HILD (Hargart's Induced Lucid Dream)

HILD, benannt nach ihrem Erfinder Hagart, wird am besten nach einigen Stunden Schlaf (3 bis 6)  und nach einer REM Schlafphase angewendet.

Bei dieser WILD Subtechnik, sollte man eine bequeme Liegeposition einnehmen, vorzugsweise nicht die übliche Schlafposition damit man nicht direkt eintrübt. Hat man sich soweit eingerichtet und ist entspannt, sollte man still liegenbleiben und im Abstand von ca. zwei Sekunden abwechselnd Mittel - und Zeigefinger kurz anheben, so als ob man eine Klaviertaste spielen würde. Wie bei allen WILD Techniken besteht die Kunst darin, sich nicht verkrampft auf etwas zu konzentrieren, sondern entspannt zu bleiben.

Nimm Dir währenddessen vor, nach einiger Zeit einen "Reality Check" durchzuführen. Falls der "Reality Check" negativ ausfällt, beginne die Übung von vorne. Im Idealfall übernimmst Du die Fingerbewegungen mit in Deinen Traum und der "Reality Check" wird positiv ausfallen. Du befindest Dich dann in deinem Traumkörper und startest deinen Klartraum.

SSILD (Senses Initiated Lucid Dream)

SSILD ist eine moderne Technik und zählt zu der klarheitsgewinnenden Methode. Zur Anwendung kommt diese Technik dennoch im Wachzustand und kann direkt vor dem Einschlafen am Abend praktiziert werden. Ziel dieser Methode ist es, seine Sinne vor dem Einschlafen zu schärfen und sensibilisieren. Das wiederholte Anregen der Sinne erlaubt es SSILD deinen Geist und deinen Körper in einen Zustand zu versetzen, der darauf optimiert ist Klarträume natürlich auftreten zu lassen. Folgender Zyklus gilt es vor dem Einschlafen zu wiederholen:

 

  1. Fokus auf das Sehen:
    Schließe Deine Augen und beachte die Dunkelheit hinter Deinen geschlossenen Lidern. Spanne dabei nicht die Augenmuskulatur an. Die Augäpfel sollten sich ausruhen, völlig entspannt sein. Wenn du Nichts sehen kannst ist das normal. Versuche nicht zwanghaft irgendetwas zu visualisieren.
  2. Fokus auf das Hören:
    Vernachlässige nun Deine Augen und wende die Aufmerksamkeit auf deine Ohren. Versuche alle Geräusche die Du hörst in Dich aufzunehmen. Achte dabei vorallem auch auf Deine Atmengeräusche, registriere aber auch die Umgebungsgeräusche.
  3. Fokus auf den Tastsinn:
    Achte nun auf Deinen Körper. Fühle ihn und schau ob Du irgendwelche ungewöhnlichen Empfindungen entdecken kannst, wie z.B. Kribbeln, Schweregefühl, Schwebegefühl und so weiter. Kannst Du nichts dieser Art fühlen, fühle das Gewicht Deiner Decke, Deinen Herzschlag, die Lufttemperatur, etc.

 

Wiederhole diesen Zyklus zuerst 4-6 mal wobei Du Dir für jeden Schritt nur wenige Sekunden Zeit nimmst. Dies bewirkt dass die Sinne konditioniert werden, quasi ein Warm-up. Anschliessend nimm Dir etwas mehr Zeit und wiederhole den Zyklus 3-5 mal und nimm Dir für jeden Schritt 20 bis 30 Sekunden Zeit. Anschliessend drehe Dich in deine bevorzugte Schlafposition und versuch so schnell wie möglich einzuschlafen. Im Idealfall startest du während der Traumphase direkt mit einem Klartraum. SSILD ist dafür bekannt viele falsche Erwachen herbei zu führen. Versäume es also auf gar keinen Fall einen "Reality Check" durchzuführen wenn Du denkst dass Du wach bist.

MILD (Mnemonic induced Lucid Dream)
Diese Technik nach Stephen Laberge macht sich die Kraft der Autosuggestion zunutze. Zur Anwendung kommt sie am besten nach genügend Schlaf während den frühen Morgenstunden. Du solltest versuchen nach einer REM-Schlafphase zu erwachen denn bei dieser Technik ist es elementar, dass Du Dich direkt an den vorangegangenen Trübtraum erinnerst. Sobald Du erwachst, rufst Du Dir den Traum in Erinnerung und versuchst ihn so detailiert wie möglich zu rekonstruieren. Eine gute Traumerinnerung ist also Voraussetzung für die MILD Technik. Du gehst also den Traum vor dem geistigen Auge nochmals durch und versuchst Dich so gut wie nur möglich hineinzuversetzen. Wenn Dir das gelungen ist, empfiehlt es sich vielleicht kurz aufzustehen um auf die Toilette zu gehen, gegebenefalls etwas Wasser ins Gesicht zu spritzen, um sicher zu stellen, dass Du nicht direkt wieder einschläfst. Anschliessend legst Du Dich wieder ins Bett und konzentrierst Dich auf die Absicht, gleich einen Klartraum zu haben. Dazu wiederholst Du für mehrere Minuten geistig den folgenden Satz: "Das nächste mal wenn ich träume, will ich daran denken zu erkennen, daß ich träume." Vesuche gedanklich bei der Sache zu bleiben um nicht wegzugleiten. Anschliessend kombiniere die ersten beiden Schritte: versetze Dich wieder in den zuletzt erlebten Traum zurück und wähle eine beliebige Situation daraus aus. Jetzt allerdings stellst Du Dir vor, wie Du in dieser Situation luzid wirst. Du spielst quasi den normalen Traum als Luzid-Variante noch einmal durch. Zitat LaBerge: "Fühlen Sie die Erregung, luzide zu werden, und stellen Sie sich selbst dabei vor, das zu tun, was Sie im luziden Zustand gerne einmal tun würden."