Was ist ein Klartraum?

Als Klartraum oder luziden Traum bezeichnet man den Zustand im Traum, bei welchem der Träumer realisiert, dass er träumt. Hat der Träumer  diese Erkenntnis erlangt, steht es ihm frei seinen Traum nach belieben zu gestalten. Dies bedeutet nichts anderes als völlige Traumfreiheit zu geniessen. Der Klarträumer ist Herr über die Handlung, die Emotionen und die Physik seines eigenen Traumes und lenkt und steuert diesen nach belieben.

 

 

Grundsätzlich ist jeder Mensch fähig in seinen Träumen klar zu werden.  Jedoch ist die Zeitspanne diese Fähigkeit zu erlernen von Person zu Person individuell.  Das Gehirn benötigt eine Konditionierung um zu erkennen dass es träumt. Während eines Klartraumes sind Gehirnregionen aktiviert welche eigentlich nur im Wachzustand aktiv sind. Dies hat zur Folge, dass der Klarträumer bei vollem Bewusstsein träumt und Zugriff auf seinen gesamten Denkapparat hat.  Um diese Konditionierung als routinierten Ablauf zu etablieren,  müssen verschiedene Übungen praktiziert und verschiedene Techniken ausprobiert werden.

 

Befasst man sich erstmal mit dem Thema Klartraum, entwickelt sich in der Regel ein inniger Bezug zum Thema Träumen. Dies ist äussert hilfreich wenn nicht sogar zwingend um ein Klarträumer zu werden. Je intensiver man sich im Alltag mit dem Thema auseinandersetzt,  desto höher stehen die Chancen, dass man die neuen Informationen in den Traum transportiert.


Es gibt verschiedene Zustände der Klarheit und die Grenzen sind meist fliessend. Die Intensität und Länge eines Klartraumes variert oft und ist als Anfänger schwierig zu beeinflussen. Durch gezielte Übungen und verschiedene Techniken können Klarträume in ihrer Häufigkeit gesteigert und in ihrer Dauer stabilisiert werden.

 

Motivationsgründe, warum man das Klarträumen erlernen möchte, gibt es reichlich. Mein persönlicher Grund besteht darin, positive Energie, welche man im Klartraum erfährt, in den Alltag zu transportieren. Genauso wie man das von normalen Träumen (Trübträumen) auch kennt: Man erwacht nach einem positiven Traum und trägt dieses zufriendene und glückliche  Grundgefühl nicht selten den ganzen Tag mit sich. Durch Klarträume sind solche Grundstimmungen direkt beeinfluss - und steuerbar und können somit einen erheblichen Mehrwert der Lebensqualität darstellen. Des weiteren sind die Möglichkeiten  seinen eigenen Traum zu gestalten nur durch die eigene Fantasie begrenzt. Durch Wände gehen, einen Besuch auf dem Mond oder einfach durch die Luft zu fliegen ist plötzlich ohne Weiteres möglich und nach belieben steuerbar.

 

 

Motivation und Geduld

Der Grund weshalb Klarträume in unserer westlichen Welt nicht breiter in der Gesellschaft angekommen sind, ist meiner Meinung nach die fehlendene, anhaltende Motivation sich diese Fähigkeit anzutrainieren. Klarträume sind nicht per Knopfdruck herbei gezaubert und erfordern zu Beginn eine ordentliche Portion Disziplin und Ausdauer. Ich wage zu behaupten, dass 80% der Anfänger nach 2 wöchigem Training ohne Klartraum Erfolg, spätestens aber nach 4 Wochen das Thema Klartraum wieder abhaken. Aus eigener Erfahrung, aber auch nach Aussage diverser Experten wie Stephen LaBerge oder Paul Tholey, wird jeder der sich intensiver und über einen individuell längeren Zeitraum damit befasst, Klarträume erleben. Nicht selten erleben Menschen an dem Tag an dem sie das erste Mal von einem Klartraum hören oder lesen, in derselben Nacht ihren ersten luziden Traum. Andere wiederum brauchen Wochen, Monate, und in eher seltenen Fällen, Jahre. Ich persönlich hatte nach exakt 2 Wochen meinen ersten, kurzen aber intensiven Klartraum.

Wenn jemand einige Klarträume erlebt hat, heisst dass nicht, dass er in Zukunft nichts mehr dafür tun muss. Leider verhält es sich hier nicht wie mit dem Fahrrad fahren (einmal gelernt, nie mehr verlernt). Um sich die Klartraumfähigkeit über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, bedarf es einiger Hingabe und Pflege. Dies soll aber nicht demotivierend sein, schliesslich verhält es sich bei anderen Hobbys oder Sportarten nicht anders.

 

Unser Schlaf ist in verschiedene Zyklen aufgeteilt. Die intensivste Traumphase ist die sogenannte REM Schlafphase (Rapid Eye Movement) welche sich in den frühen Morgenstunden häuft. Zu dieser Zeit ist die Aussicht auf einen oder mehrere Klarträume ideal. Klarträume sind aber auch beim Mittagsschlaf möglich. Idealerweise sollte man aber ca. 6 bis 7 Stunden Schlaf gehabt haben um die Möglichkeit einen Klartraum zu erfahren zu erhöhen. 

 

Schätzungsweise die Hälfte aller Menschen haben bereits luzide Träume erlebt, nur oftmals erinnern sie sich nicht daran weil das Traumerinnerungsgedächtnis bei vielen eher schlecht funktioniert. Vorallem Kinder und Teenager erleben häufiger Klarträume. Mit zunehmendem Alter nehmen diese leider ab und es braucht etwas Übung um sich diese Fähigkeit wieder anzutrainieren.

 

In fernöstlichen Ländern haben Träume im allgemeinen einen hohen Stellenwert, ganz im Gegensatz zu unserer westlichen Welt. Es gibt Heute noch Urvölker welche das Klarträumen als gesellschaftliches Gut betrachten und bewusst praktizieren, sei es zur Konfliktbewältigung oder zum Vergnügen. Die ersten Indizien dass Menschen das luzide Träumen praktizierten, reichen bis zu 40`000 Jahre zurück. Tibetanische Urvölker nutzten Klarträume um sich aus dem Traum (den wir Realität nennen) zu wecken. Noch heute ist das luzide Träumen einer der vielen tibetanischen Meditationsformen.

 

Oft tritt die Frage auf, ob das Klarträumen ungesund oder sogar gefährlich sein kann. Es gibt jedoch keinen bekannten Fall bei welchem jemand zu Schaden gekommen wäre. Ganz im Gegenteil: Gezielte Traumsteuerung, insbesondere mit der Absicht den Traum in positive Bahnen zu lenken, kann eigentlich nur gute Auswirkungen auf den Alltag haben.  Trotzdem empfehlen Experten wie Tholey oder Laberge psychisch beeinträchtigten Menschen vom Klarträumen ab. Die Möglichkeit das diese nicht zwischen Realität und Traum unterscheiden können, könnte durchaus bestehen.

 

Dass Klarträume einen weniger erholsamen Schlaf mit sich bringen oder die Schlafqualität im allgemeinen negativ beeinflussen sollen, stimmt nicht.